Dem Mittelstand fehlen die Nachfolger

Dem Mittelstand fehlen die Nachfolger

Jeder sechste Unternehmer plant, seinen Betrieb in nächster Zeit an einen Nachfolger zu übergeben. Das ist angesichts der demografischen Entwicklung eine echte Herausforderung. Denn mittlerweile gibt es in Deutschland dreimal mehr Inhaber, die aus Altersgründen verkaufen möchten, als Übernahmegründer. Die Veräußerung von Unternehmen an strategische Investoren gewinnt dadurch an Bedeutung.

Das Tempo steigt beim Generationenwechsel im Mittelstand. Geht es nach dem Wunsch der Inhaber, werden 620.000 Unternehmen mit etwa 4 Millionen Beschäftigten bis zum Jahr 2018 an einen Nachfolger übergeben, laut einer Studie von KfW Research. 2013 lag diese Zahl erst bei 530.000. Doch den altersbedingten Unternehmensabgebern stehen immer weniger potenzielle Käufer gegenüber. Das liegt am demografischen Wandel und der anhaltend guten Arbeitsmarktlage, die die Neigung zu Übernahme- und Beteiligungsgründungen dämpft.

Nach Erhebungen des IfM erfolgen gut die Hälfte aller Übergaben an Familienmitglieder, 17 Prozent an eigene Mitarbeiter und 29 Prozent werden extern gelöst. In diesen Fällen wird differenziert zwischen der Übergabe an strategische Investoren wie Wettbewerber, Zulieferer und Kunden oder an Finanzinvestoren.

Strategische Investoren erwarten in der Regel die Übernahme sämtlicher Geschäftsanteile oder zumindest einer Mehrheit, um ihr Kalkül ohne Einfluss weiterer Gesellschafter umsetzen zu können. In den letzten Jahren treten verstärkt Käufer aus dem Ausland auf, zunehmend aus China. Bei Finanzinvestoren stehen Renditegesichtspunkte im Vordergrund. Auch streben sie mittelfristig wieder eine Weiterveräußerung des Unternehmens an. Es gibt allerdings auch Family Offices, die im Sinne einer Industrieholding Beteiligungen langfristig bzw. ohne angestrebten Exit halten wollen.

Die Unternehmensnachfolge als ausgesprochen komplexes Thema erfordert eine sorgfältige Vorbereitung. Das beinhaltet die Suche nach einem geeigneten Käufer, die realistische Berechnung eines angemessenen Kaufpreises sowie ein gut aufgestelltes Unternehmen, das fit ist für die Zukunft. Hinzu kommt: In der Regel verkauft man nur einmal im Leben sein Unternehmen. Auf der Erwerberseite stehen einem jedoch Verhandlungspartner gegenüber, die in diesem Metier zu Hause sind.

Interview mit Gert Nonnenmann, Leiter Corporate Finance und M&A MPower, über seine Erfahrungen bei Unternehmensübergaben:

Herr Nonnenmann, welchen Voraussetzungen sollten gegeben sein, wenn sich ein Eigentümer für den Verkauf seines Unternehmens entscheidet?

Ein wichtiger Punkt sind eindeutige gesellschaftsrechtliche Strukturen sowie ein kompetentes Management bzw. eine zweite Führungsebene. Sind diese nicht vorhanden, müssen sie vor einer Transaktion geschaffen werden. Dasselbe gilt für eine klar formulierte Unternehmensstrategie, die sich auch in der Unternehmensplanung widerspiegelt. Hinzu kommt ein aussagefähiges Finanz- und Rechnungswesen.

Was sind aus Ihrer Erfahrung die häufigsten Probleme bei der Übergabe von Unternehmen? Wie kann ein Unternehmer gegensteuern?

Ganz wesentlich für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge ist die rechtzeitige strategische Vorbereitung. Das Unternehmen sollte zum Verkaufszeitpunkt so aufgestellt sein, dass es für die Zukunft gerüstet ist und damit den Erwartungen eines Investors gerecht wird. Viele Mittelständler unterschätzen jedoch den Zeitbedarf für diesen Prozess und machen sich viel zu spät Gedanken in Sachen Nachfolge.

Wie bewerten Investoren ein Unternehmen, in das sie einsteigen wollen?

Es gibt eine Vielzahl von Methoden zur Unternehmensbewertung. In der Praxis hat sich das Multiplikator- oder Praktikerverfahren durchgesetzt. Ausgehend von dem durch das Unternehmen nachhaltig erzielbaren Ergebnis wird durch Vergleich mit tatsächlich getätigten Unternehmenstransaktionen ein Bruttounternehmenswert (Enterprise Value) ermittelt. Durch Abzug der Finanzverbindlichkeiten gelangt man zum rechnerischen Kaufpreis (Equity Value).

Dieser rechnerische Kaufpreis bildet die Basis für Kaufpreisverhandlungen. Sollten auf Seiten des Erwerbers strategische Überlegungen im Vordergrund stehen, sind auch deutlich höhere Werte denkbar.

Welche Unterstützung kann MPower bei der Unternehmensnachfolge leisten?

MPower verfügt über langjährige Erfahrung und Know-how in der Beratung bei Unternehmenskäufen und -verkäufen. Das Portfolio reicht von einer Kompaktanalyse zur Beantwortung der Frage, ob das Unternehmen für eine Veräußerung bereit ist, über die Erstellung einer indikativen Unternehmensbewertung bis hin zur umfassenden Begleitung des Transaktionsprozesses. Dazu gehören die Identifikation und Ansprache potenzieller Investoren, die Aufbereitung der benötigten Unterlagen, die Begleitung der Due Diligence sowie die Vertragsverhandlungen.