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Zukunftswerkstoff Aluminium: Warum deutsche Unternehmen den Anschluss verlieren

Der Weltmarkt für Aluminium wächst. Getrieben wird die Entwicklung von Elektromobilität, Stromnetzausbau, erneuerbaren Energien, Rechenzentren und Leichtbau. Die deutsche Aluminiumindustrie steckt dagegen im vierten Krisenjahr: Je nach Segment erreicht die Produktion nur noch 76 bis 88 % des Niveaus von 2021. Im zweiten Teil unserer Serie richten wir den Blick auf die Aluminiumindustrie und zeigen, warum die deutsche Branche von diesem Wachstum bislang kaum profitieren kann.

An fehlendem Bedarf für Aluminium liegt das nicht. Weltweit entstehen neue Absatzmöglichkeiten, gleichzeitig wächst die Produktion in vielen Regionen. In Deutschland bremsen jedoch die schwache Konjunktur in wichtigen Abnehmerbranchen, hohe Energie- und Standortkosten, der Strukturwandel sowie die Verlagerung von Produktion und Wertschöpfung ins Ausland. Die Folge: Deutschland verliert weiter Marktanteile.

Dynamik am Weltmarkt
Die Aluminiumpreise steigen 2026 deutlich. Die Weltbank erwartet für Aluminium ein Plus von 20 bis 22 % gegenüber 2025; erst 2027 wird mit einer leichten Entspannung gerechnet. Grund ist ein begrenztes Angebot bei zugleich robuster Nachfrage. Hinzu kommt, dass China als größter Produzent zunehmend an seine politisch festgelegte Schmelzkapazität von rund 45 Mio. Tonnen Primäraluminium pro Jahr stößt.
Indonesien gewinnt massiv an Bedeutung. Neue, chinesisch finanzierte Schmelzen machen das Land zu einem wichtigen Lieferanten für Europa und Asien. Die Exporte von Primäraluminium stiegen von 155.000 t im Jahr 2024 auf 511.000 t im Jahr 2025; von Januar bis Mai 2026 legten sie nochmals um 58 % gegenüber dem Vorjahr zu.

Gleichzeitig bleiben die Lieferketten störanfällig. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten führten 2026 zeitweise zu erheblichen Produktionsausfällen in der Golfregion. Nach Angaben des International Aluminium Institute lag die Produktion dort im ersten Halbjahr zeitweise rund 20 % niedriger; der Ausfall entsprach mehr als 2 Mio. Tonnen Jahreskapazität. Auch die Recyclingwirtschaft gerät unter Druck. Aluminiumschrott wird knapper und verteuert die Sekundärproduktion.

Zukunftsmärkte allein reichen nicht
Die globalen Wachstumstreiber kommen in Deutschland bislang nur eingeschränkt an. Zwar steigt der Aluminiumbedarf weltweit, die heimische Nachfrage hängt jedoch weiterhin stark von Automobilindustrie, Bau und Maschinenbau ab – und genau diese Branchen schwächeln. Zudem entstehen neue Produktionskapazitäten und Investitionen zunehmend außerhalb Deutschlands. Die zusätzlichen Impulse aus Energiewende und Elektromobilität reichen daher derzeit nicht aus, um die Rückgänge in den klassischen Absatzmärkten auszugleichen.

Standortnachteile verschärfen den Druck
Höhere Aluminiumpreise stabilisieren zwar die Umsätze, verdecken aber die strukturellen Probleme. Hohe Strom- und Standortkosten, Bürokratie, Schrottknappheit und Importkonkurrenz schwächen die Wettbewerbsfähigkeit. Produktion und Investitionen wandern zunehmend ins Ausland ab.

Handlungsfelder für Unternehmen
Die Abhängigkeit von den derzeit schwachen Absatzmärkten Automobilindustrie, Bau und Maschinenbau sollte reduziert werden. Gleichzeitig bieten Anwendungen in Luftfahrt, Verteidigung, Batterietechnik und Medizintechnik zusätzliche Chancen. Weitere Ansatzpunkte sind ein geringerer Energieverbrauch, Investitionen in moderne Schmelztechnik und eine stabile Rohstoffversorgung. Entscheidend ist, höhere Wertschöpfung zu erzielen und die Abhängigkeit von einzelnen Marktsegmenten zu reduzieren.

Im dritten Teil unserer Serie richten wir den Blick auf die Abnehmerbranchen und zeigen, wie sich die Entwicklungen im Aluminiummarkt auf Aluminiumguss-, Felgen- und andere Verarbeitungsbetriebe auswirken.