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Zulieferindustrie im Herbst 2025: Zwischen Kostendruck und Transformation

Neueste Zahlen zum 3. Quartal 2025 zeigen: Volumenseitig bleibt der Automobilmarkt stabil. In den ersten neun Monaten wurden in Deutschland rund 3,14 Mio. Pkw produziert – ein Plus von 2 % gegenüber dem Vorjahr, aber weiterhin 12 % unter dem Niveau von 2019. Die Neuzulassungen liegen per September etwas unter Vorjahr und dürften 2025 insgesamt etwa das Vorjahresniveau erreichen. 

Sinkende Marktanteile der Zulieferer
Der Weltmarktanteil deutscher Zulieferer sank 2024 auf 23 % – rund 3 Prozentpunkte weniger als vor zehn Jahren. Gleichzeitig steigerten chinesische Anbieter ihren Anteil von 5 auf 12 %. Die globale Wertschöpfung verlagert sich spürbar in Richtung Asien. Chinesische Zulieferer sind deutlich günstiger, entwickeln neue Produkte schneller und haben sich in Schlüsseltechnologien wie Batterie und Software einen spürbaren Vorsprung erarbeitet.

Die deutsche Zulieferindustrie steht im Herbst 2025 unter hohem Druck. Stagnierende Konjunktur, volatile Abrufe, steigende Finanzierungskosten und verstärkter Wettbewerb – vor allem aus China – prägen das Umfeld. Zwar bleiben die Volumina weitgehend stabil, doch die Probleme liegen bei Margen, Strukturen und Investitionskraft. Für viele Unternehmen gilt: Die Stückzahlen reichen nicht aus, um die Kostensteigerungen aufzufangen, während Marktanteile zunehmend zu neuen globalen Wettbewerbern wandern.

Schwache Margen, steigende Risiken
Studien schätzen die EBIT-Marge der weltweiten Zulieferindustrie 2024 bei nur 4,7 % – nach 5,3 % im Vorjahr. Chinesische Anbieter liegen mit 5,7 % vorn, unterstützt durch starke heimische Nachfrage, staatliche Anreize und hohe private Investitionen. Europäische Zulieferer kommen hingegen nur auf 3,6 % und leiden besonders unter niedrigen Produktionsvolumina, Überkapazitäten und steigenden Arbeitskosten. Südkorea bildet mit 3,4 % das Schlusslicht; in Nordamerika wirken Effizienzprogramme, doch höhere Löhne und stagnierende Stückzahlen bremsen die Entwicklung.

Unterm Strich arbeiten viele Unternehmen damit nur noch im unteren einstelligen Renditebereich, teils knapp über der Verlustzone – bei gleichzeitig hohen Investitionsbedarfen in Elektromobilität, Software und Digitalisierung. Entsprechend sind die Insolvenzen bei Automobilzulieferern 2025 in Deutschland um rund 30 % gestiegen; betroffen sind zunehmend Unternehmen mit Umsätzen über 10 Mio. EUR.

Zunehmende Finanzierungskosten erhöhen den Druck
Die schwache Rentabilität schlägt inzwischen auf die Finanzierung durch: Über 40 % der 25 größten Zulieferer gelten bereits als „Non-Investment-Grade“ – in Branchen wie Medizintechnik oder klassischer Industrie sind es unter fünf Prozent. Die Folge: höhere Kapitalkosten und zusätzlicher Druck in der Transformation

Parallel sinkt die Beschäftigung deutlich: In der gesamten deutschen Automobilindustrie arbeiteten Ende Q3 2025 nur noch rund 721.400 Personen, 6,3 % weniger als ein Jahr zuvor.

Die Kombination aus schwachen Margen, hohen Zinsen und Transformationsinvestitionen führt dazu, dass Verluste und Finanzierungsengpässe schneller in echte Krisen und Insolvenzen umschlagen.

Wichtige Trends für das kommende Jahr
Für 2026 werden moderate Volumensteigerungen in der Automobilbranche erwartet. Wachstum kommt vor allem aus China und Südasien, während Europa weiterhin unter dem stärksten Druck steht. Neue Akteure, vor allem im Elektroauto-Segment, erhöhen den Preiskampf, und OEMs werden ihre Einkaufsbedingungen spürbar verschärfen. Parallel bleiben die Margen eng. Geopolitische Spannungen, neue Zölle, Exportrestriktionen (z. B. bei Seltenen Erden) und fragile Lieferketten sorgen für Unsicherheit.

Die Investitionen in Software und Elektronik müssen steigen, während der langsame Hochlauf der Elektromobilität in Europa und Nordamerika die erwarteten Skaleneffekte verzögert. Finanziell wird es für viele Zulieferer immer enger: geringe Liquidität, hohe Schulden und rückläufige Umsätze treffen auf ein Zinsniveau, das kaum Entlastung bietet.

Weichenstellungen für 2026
Zwar hat die deutsche Autoindustrie schon frühere Krisen erfolgreich bewältigt, doch die aktuelle „Stag-Formation“ aus Stagnation und Transformation ist anspruchsvoller: Zum Volumendruck kommen heute hohe Investitionen in Technologie, Digitalisierung und neue Kompetenzen.

Erfolgreich sind in solchen Phasen vor allem Unternehmen, die ihr Portfolio klar ausrichten und konsequent an Effizienz und Geschwindigkeit arbeiten. Entscheidend ist die Fähigkeit, Kostenstrukturen, Portfolio und Risikoaufstellung zu justieren – und damit die organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen, um 2026 trotz enger finanzieller Rahmenbedingungen handlungsfähig zu bleiben und die Transformation aktiv zu gestalten.